PREVIEW:

Tekhenu – Obelisk of the Sun

 
EXPERTENSPIEL
 
HAUPTMECHANISMUS: Dice Drafting 

VERLAG: Board & Dice                                                                     AUTOREN: Daniele Tascini, David Turczi
SPIELDAUER: 60-120 Minuten                                                       SPIELERZAHL: 1-4
ERSCHEINUNGSTERMIN: August 2020 Englisch, 4. Quartal 2020 Deutsch
Tekhenu Cover

Im neuen Expertenspiel von Daniele Tascini (Tzolk’in, Teotihuacan, Auf den Spuren von Marco Polo, Marco Polo II – Im Auftrag des Khan, Trismegistus) und David Turczi (Anachrony, Würfelsiedler, Kitchen Rush, Cerebria – The Inside World), das im Herbst 2020 bei Board & Dice erscheint (und über die Spieleschmiede lokalisiert wird), dreht es sich erneut, – wer hätte das gedacht? – um Würfel.

Doch Daniele Tascini wäre nicht Daniele Tascini, wenn Tekhenu von einem schlichten Feld-, Wald- und Wiesen-Würfelmechanismus angetrieben würde.
Gut, das Draften von Würfeln ist jetzt nicht neu. Interessant wird das Spiel vielmehr durch die sich ändernden Bedingungen und Auswirkungen, die die Wahl der Würfel beeinflussen. Doch ich greife vor.

Tekhenu ist der altägyptische Begriff für Obelix. Nein, Obelisk. Obelix hat eine bauchigere Form und haut zu, wenn man ihn drauf anspricht. Dies ist bei vierseitigen, sich nach oben hin verjüngenden Denkmälern noch nie beobachtet bzw. dokumentiert worden. (Ich hab’s gegoogelt! Nein, hab ich nicht…)
Es geht also um den Bau der Tempelanlage des Amun Ra sowie den Bau der Tempel von Theben – genannt Ipet-Isut in der Region Karnak. Klar oder? Karnak halt – wer kennt es nicht? Jetzt wissen wir endlich, wo das ganze stattfindet!

Der Obelisk ist in diesem Spiel das Element, das senkrecht zentral auf dem Spielbrett steht und die Mitte eines in sechs SektorenTekhenu Foto 3 unterteilten Kreises markiert. Der innere Bereich des Kreises ist eine in vier Sektoren unterteilte Scheibe, die im Spielverlauf gedreht wird.
Ein Sektor markiert den Schatten (schwarz), einer den im Sonnenlicht liegenden Bereich (weiß) und zwei sich gegenüberliegende Sektoren markieren das Zwielicht (grau).

Jeder Sektor des Kreises ist unterteilt in drei Reihen, die einen Ring um den Obelisken bilden – Pure, Tainted & Forbidden.
Je nachdem, ob der Scheibenausrichtung entsprechend ein Sektor im Schatten, Sonnenlicht oder Zwielicht liegt, werden die dort liegenden Würfel ihrer Farbe entsprechend auf dem inneren, mittleren, oder äußersten Ring platziert bzw. neu arrangiert. Und genau das definiert ihren Status. Und jetzt wird es kompliziert. Stichwort Würfelfarben!
Weiß: Im Sonnenlicht immer Pure! Im Zwielicht immer Tainted, im Schatten stets Forbidden!
Gelb: Im Sonnenlicht immer Tainted! Im Zwielicht immer Pure, im Schatten stets Forbidden
Es gibt noch schwarz, grau und braun! Und dementsprechend sind deren Eigenschaften hier nochmal anders. Das ist allerdings dank wirklich guter Ikonographie gut ablesbar!

Gespielt wird über 16 Runden, in denen jeder Spieler je einen Zug hat,  mit dem er einen Würfel nimmt und eine Aktion ausführt. Nach je zwei Runden wird die Scheibe im Uhrzeigersinn ein Stück weiter gedreht. Nach je 4 Runden findet eine Maat-Phase (erkläre ich weiter unten) statt, nach je 8 Runden gibt es zusätzlich eine Wertung. Nach 16 Runden haben alle Spieler einen Sonnenbrand und ermitteln den Sieger.

Die Aktionen erstrecken sich über die Produktion von Ressourcen wie Kalkstein, Granit, Brot und Papyrus, den Bau von Gebäuden, das Errichten von Statuen zu Ehren der Götter oder für das Volk, das Ausrichten von Festivitäten, um die Menschen bei Laune zu halten, den Bau von Säulen an der Tempelanlage oder das Erwerben von Karten.

Die Würfelfarben sind lediglich für das Draften sowie die Ressourcenproduktion wichtig. Die Augenzahlen hingegen spielen sowohl für die Maat-Phasen, als auch für die Aktionen eine wichtige Rolle.

So funktioniert das Würfeldraften:
Der Spieler am Zug  nimmt einen Würfel entweder der Sorte Pure oder der Sorte Tainted. Würfel der Sorte Forbidden sind genau das. Sie sind aktuell tabu.
Mit dem gerade gewählten Würfel führt der Spieler eine der erwähnten Aktionen aus und legt den Würfel, wenn er Pure ist, anschließend auf die linke, pure Seite der Waage auf seinem Spielertableau oder, wenn Tainted, dann auf die rechte Seite. Nach vier Runden liegen bei jedem Spieler 4 Würfel auf der Waage. 

Nun kommt es zur Maat-Phase:
Hier werden die Werte der Würfel auf der Waage gegeneinander aufgewogen und es ergibt sich entweder
– keine Differenz – optimal! 
– eine negative – nicht so schön. Denn fällt sie zu hoch negativ aus, kostet das Siegpunkte!
– eine positive. Das kostet gnädigerweise nichts. Wär ja auch noch schöner!
Aber: Eine generell hohe Differenz wirkt sich schlecht auf die Spielerreihenfolge aus.

Ein weiteres, interessantes Spielelement stellt der reichhaltige Fundus an Karten dar.
Startkarten gewähren Startboni und lassen die Spieler direkt zu Beginn möglicherweise sogar eine Aktion ausführen. Jede Karte verfügt über einen Initiative-Wert. Je höher, desto besser. Hierüber wird die anfängliche Spielerreihenfolge bestimmt.
Die Destiny Cards werden am Ende jeder Runde zurückgegeben, neu gemischt und gedraftet – pro Spieler gibt es je eine mit den Werten 0, 1, 2 oder 3 sowie unterschiedlichen, kleinen Boni. 
Die zahlreichen Decree Cards gewähren Siegpunkte für viele unterschiedliche Bedingungen und werden zu Spielbeginn verteilt, zusätzliche sind jedoch über eine Kartenauslage während des Spiels erhältlich. 
Blessing Cards gewähren einmalige, Technology Cards hingegen gewähren dauerhafte Boni.


Ein Überblick über die Aktionen – hier beschreibe ich bewusst, wie sie funktionieren und welche Auswirkungen die dabei getroffenen Entscheidungen haben können, um die verschiedenen, zu beachtenden Aspekte jeder Aktion zu verdeutlichen.

Die verschiedenen Aktionen folgen unterschiedlichen Regeln. Jede Aktion ist nach einem der Götter benannt.
Beim Bau von Statuen, Gebäuden oder Säulen spielt die Wahl des Bauplatzes eine große Rolle. Davon hängen einige wichtige Wertungen ab!tekhenu

Entscheide ich mich für die Horus God Action, sprich, den Bau einer Statue zu Ehren der Götter, so nehme ich eines der Statuen Tokens von der unteren Reihe meines Spielertableaus und platziere es auf einem der drei Statuenbauplätze, die den Obelisken umgeben im Sektor der Gottheit, der die Statue gewidmet sein soll. Welche Gottheit hierbei geehrt wird, entscheidet die Würfelaugenzahl.
Jeder Gott belohnt diese großartige Tat mit einem anderen Aktionsbonus, und zwar stets dann, wenn ein Mitspieler die Aktion dieses Gottes ausführt. 

Ich kann jedoch im Rahmen der Horus God Action stattdessen eine Statue zu Ehren des Volkes errichten. Dafür sind Bauplätze am Tempelkomplex und weitere im Bereich der Steinbrüche und Werkstätten vorgesehen. Hier ist die Würfelaugenzahl egal, allerdings erhalte ich am Tempelkomplex sofort und in den Wertungsphasen Siegpunkte für jede errichtete Säule in derselben Spalte oder Reihe. Bei den Werkstätten und Steinbrüchen spielen die Statuen in der Mehrheitenwertung eine Rolle.

Die Ra God Action erlaubt es, eine Säule im Tempelkomplex zu errichten.
Dieser besteht aus einem 5×5 Raster mit Feldern, die Sofortboni abbilden.
Für den Bau wird aus einer Auslage ein Plättchen genommen, im Raster platziert und eine Säule aus dem eigenen Vorrat darauf platziert.
Das Plättchen hat farbige Ränder. Stimmt die Farbe des Randes mit dem eines benachbart liegenden überein, wird das mit Siegpunkten belohnt.
Diese Plättchen weisen allerdings noch eine weitere Besonderheit auf. 
Die auf ihnen abgebildeten Boni sind entweder grau, schwarz oder weiß unterlegt. Liegt der Sektor des Gottes Ra gerade im Schatten (schwarz), Sonnenlicht (weiß) oder Zwielicht (grau) und hat das Plättchen die entsprechende Untergrundfarbe, erhalte ich den Bonus – ansonsten nicht!

Die Hathor God Action erlaubt mir, Gebäude am Tempelkomplex zu errichten. Diese nehme ich von meinem Spielertableau. Platziere ich das Gebäude in einer Spalte oder Reihe mit einer meiner im Tempelkomplex errichteten Säulen, erhalte ich Siegpunkte, falls nicht, darf ich eines der leeren dortigen, noch leeren Felder wählen und erhalte den abgebildeten Bonus.
Außerdem darf ich im Anschluss meinen Bevölkerungsmarker auf der Population/Happiness-Leiste vorbewegen.

Tekhenu Foto1Die Bastet God Action lässt mich ein Volksfest ausrichten, um dessen Zufriedenheit zu steigern. Überraschung: Je zufriedener das Volk, desto besser! 
Nutze ich für die Aktion einen Würfel mit Augenzahl 1 oder 2, erhalte ich 2 Schreiberlinge, mit 3 oder 4 immerhin noch einen Vertreter dieser Zunft. Diese Scribes erlauben mir die Manipulation von Würfelaugenzahlen! Praktisch! 
Erreiche ich gewisse Fortschrittsfelder auf der Leiste, bekomme ich Gold, einen Scribe oder, bei Erreichen des letzten Feldes sogar eine beliebige Aktion, ohne dass es eines Würfels dafür bedarf!
Das klingt alles super! Hat aber einen Haken! Der Zufriedenheitsmarker darf niemals den Bevölkerungsmarker überholen. Also, schaffe schaffe, Häusle baue, dann kann auch fleißig Babys gemacht und dementsprechend kräftig gefeiert werden!

Mit der Thoth God Action darf ich mich am Kartenmarkt bedienen. Der Markt ist in Segmente unterteilt. Der Fortschritt meines Zufriedenheitsmarkers gibt vor, auf welche Segmente ich Zugriff habe. Die Würfelaugenzahl definiert Anzahl und Preis der Karten, die ich erhalte. 

Die Osiris God Action gibt mir die Möglichkeit, Gebäude in Form von Werkstätten oder Steinbrüchen zu errichten. Im Gegensatz zu den anderen Bauaktionen kostet das keine Rohstoffe – allerdings sinkt durch diese Plackerei die Zufriedenheit der Leute. Der Bereich der Werkstätten und Steinbrüche ist in mehrere Reihen und Spalten unterteilt. Die Würfelaugenzahl bestimmt, in welcher Reihe das Gebäude platziert wird. Jede Reihe gewährt einen anderen Bonus.

Anstatt eine God Action auszuführen, kann ich auch schlicht Ressourcen produzieren. Die Würfelfarbe bestimmt die Ressource, die Augenzahl die Menge. ABER: Auf meinem Spielertableau gibt es Leisten für die Lagerkapazität jeder Ressource. Solange ich die nicht steigere, landet meine Überproduktion im Nil. Das betrifft jedoch nur durch Produktion erhaltene Einheiten, nicht die über Boni erhaltene!

Was wird in den Wertungsphasen gewertet?
Für jede Spalte im Osiris Bereich, sprich, dem der Werkstätten und Steinbrüche findet eine Mehrheitenwertung statt. Wer dort in Summe jeweils die meisten Gebäude und Säulen errichtet hat, erhält 3 Punkte.
Für jede errichtete Statue und jedes errichtete Gebäude am Tempelkomplex gibt es je 1 Siegpunkt. Für jede Säule werden alle eigenen Gebäude und Statuen in der entsprechenden Reihe und Spalte geprüft und entsprechend mit je 1 Siegpunkt belohnt.
Pro mit dem Zufriedenheitsmarker erreichtes (nicht übersprungenes) Pyramidensymbol auf der Populations/Happiness-Leiste erhalte ich 3 Siegpunkte.
Für jeden Produktionsmarker auf dem Spielertableau, der das Maximum erreicht hat, gibt es zwei Siegpunkte.
Ich erhalte die Summe freigeschalteter Siegpunkte auf dem Spielertableau.
Natürlich darf die unvermeidliche “Tascini tax” nicht fehlen:
Ich zahle die Menge Brot, die ich durch den Bau von Gebäuden “freigeschaltet” habe. Kann ich das nicht, muss ich pro Brot 3 Siegpunkte abgeben.
Zusätzlich darf ich am Spielende bis zu drei Decree Cards werten und habe ich die beste Würfelbalance auf meiner Waage, bekomme ich dafür auch nochmal 3 Siegpunkte.

FAZIT

tekhenuWir haben hier also wieder ein richtig komplexes Spiel, das viele Entscheidungen verlangt und das Gefühl vermittelt, dass ich nicht alles haben kann! Zentraler Spielreiz ist der ausgeklügelte Draftmechanismus, der richtig Spaß macht! Es gilt, einerseits die für meine Strategie am besten geeigneten Würfel einzusetzen und gleichzeitig deren Balance zwischen Pure und Tainted im Auge zu behalten.
Gut, wenn ich mittels Scribe einen Würfel manipulieren kann. Und dann ist da noch diese Bevölkerungs- & Zufriedenheitsleiste. Hier ist die Balance nicht unwichtig! Gerade, wenn ich mich fleißig am Kartenmarkt bedienen möchte, der richtig spannende Karten im Angebot hat, möchte ich am besten aus einer möglichst großen Auswahl wählen dürfen. Das kann ich aber nur, wenn ich über die Leiste entsprechend alle Segmente freigeschaltet habe.
Und dann ist da der Tempelkomplex. Hier baue ich nicht einfach irgendwo irgendwas, sondern sollte mir schon gut überlegen, wo ich baue! 

Tekhenu ist vom Regelwerk her noch etwas anspruchsvoller, als Teotihuacan. Auch attestiere ich dem Spiel einen etwas höheren Anspruch, als Teotihuacan. Tekhenu verlangt dem Spieler mehr Entscheidungen ab – nicht nur in puncto “Was mach ich?” sondern eben auch “Wie mach ich’s bzw. wo?” 

Und doch fühlt es sich rund an! Hier greift vieles ineinander. Und nein, ein Coimbra-Vergleich hinkt. Beide Spiele teilen sich hier lediglich den Würfeldraft. Und der funktioniert hier schon komplett anders. 

Sehr gut gefällt mir auch die positive Interaktion. Baue ich beispielsweise eine Statue zu Ehren eines Gottes, werde ich jedes Mal, wenn ein Mitspieler dessen Aktion ausführt, belohnt.
Natürlich schielt man auf gewisse Würfel oder Bauplätze. Hier herrscht Konkurrenz! Das macht eine ausgewogene Balance auf der Waage, die sich auf die Spielerreihenfolge auswirkt, zu einem spannenden Faktor!

tekhenuAls jemand, der viel mit dem Regelbuch zu Teotihuacan gehadert hat, war ich gespannt auf das zu Tekhenu. Tja, und was soll ich sagen? Hier wurde gute Arbeit abgeliefert! Die Erklärungen sind ausführlich, es tauchten wenige Fragen auf und auch die Struktur ist gut gewählt. Auf der Rückseite gibt es noch einen Kurzüberblick über den Rundenablauf und die Phasen. 
Auch die Ikonographie auf dem Spielmaterial konnte mich überzeugen. Ebenso das Artwork. Die Gestaltung des Spielbretts finde ich gelungen. Wer genau hinschaut, entdeckt viele Arbeiter, die sich mit Tempelsäulen abmühen oder beten. Hier wird das Auge mit einer Liebe zum Detail konfrontiert, die jedoch angenehm unaufdringlich wirkt.

Spielzeit? Spielzeit! Die ist mit Teotihuacan vergleichbar. In einer Viererrunde kann man auf jeden Fall mit zwei – zweieinhalb Stunden Tempelbau rechnen. Wenn es sich um eine Truppe handelt, die das Spiel kennt, würde ich mit zwei Stunden maximal rechnen.

Ich bin mir sicher, dass Tekhenu gut ankommen wird! Ich persönlich mag es!

Solomodus:

Hier spielen wir gegen Botankhamun. Und wieder gilt es, eine Plättchenpyramide zu managen. Das funktioniert etwas anders, als bei Teotihuacan, ist aber auf jeden Fall eingängiger. Hier gibt es weniger Details, die man sich zum Abhandeln der Aktionen Bokankhamuns merken muss. Ob der Tekhenu Solomodus meinen Sololiebling Teotihuacan toppt, kann ich jetzt noch nicht beurteilen, hier sind definitiv noch mehr Partien nötig. Es ist wieder vom Handling her anspruchsvoller als das Aufdecken einer Automa-Karte, das sollte klar sein.

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geschrieben von Carsten

 

Eine Meinung zu “Preview: Tekhenu – Obelisk of the Sun

  1. Wow, bin schon jetzt begeistert. Super ausführliche Preview. Herzlichen Dank dafür. Dieses Spiel muss auf den Tisch. Wird auf jeden Fall unterstützt in der Spieleschmiede. Freu mich schon riesig darauf wenn es rauskommt.

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